Tuesday, July 12, 2011

Die "Ueberlebenskuenstler" Westafrikas

Damals in Burkina lernete ich Dine kennen, der eine bekannte Theaterschule in Cotonou betreibt. Wir haben uns so gut verstanden, dass er mich gleich zu seinem Strandhaus einlud und mir weitere Kontakte gegeben hat: von seinen Freunden und Kollegen verteilt in Benin und Togo.

Mein Visum fuer Benin bekam ich in Burkina. Im Konsulat traff ich dabei auf 3 Sikhs, die als Aerzte durch Afrika reisen, und es war so ziemlich der erste Kontakt mit Indern seit meiner Indienreise. Und wie ich mich so mit ihnen unterhalten habe (oh wie ich das Indische Englisch vermisse :) ), fuehlte ich etwas ganz besonders. Ich atmetete ploetzlich die besondere Luft der Berge Nordindiens. Auch der Geschmack im Mund aenderte sich und erinnerte an das Essen. Echt erstaunlich wie echt aber auch wie gut versteckt die Sinne sind.

Nach einer wieder mal kuriosen Fahrt nach Benin, lies ich mich in Natitingou absetzen, eine kleinere Stadt nahe der Atakora Bergregion.
Dort testet ich gleich mal die Adresse eines Musikers aus. Schwupstiwups hatte ich in ein Haus ganz fuer mich alleine. Pierre, der ab und an auch Konzerte in Frankreich gibt, war ein toller Gastgeber, und dank seiner Hilfe war das Reisen hier ein Klacks. Rauf aufs naechste Bike und auf staubigen Strassen durch abgeschiedene Doerfer.
Achja Benzin von der Strasse ist in Benin ausserordentlich guenstig. Warum? Weil er meist illegal aus Nigeria gebracht wird.

Mit seiner ganz speziellen Gitarrentechnik in meinen Ohren gings weiter in den Sueden und zwar in Benins Hauptstadt. Cotonou, haelt einem nicht wirklich lange, ausser man wohnt vielleicht abgeschieden von all dem Trubel in einem Haus direkt am Strand. Genauer gesagt in Dine’s Theaterschule.

Theater kombiniert mit Schule ist wahrscheinlich die Kuriositaet schlechthin, aber hey wir sind hier direkt am Strand und man kann ja schnell mal vor all der "Verrucktheit" fluechten. Nur wie jeder weiss, hat ein Paradies halt seine Tuecken. In meinem Fall war es nicht ein Apfel von einem gewissen Baum, sondern eine starke Sonne und eine gefaehrlichere Meeresstroemung.

Als Weisser macht es nicht wirklich Spass sich in diesen Breitgraden zu "sonnbaden", sondern gleicht eher einem einzigen Versteckspiel vor der Sonne. D.h. in ganz Benin und Togo gibt es nicht wirklich Straende… sowohl fuer Touris als auch fuer die Einheimischen.

Daher gings wieder zurueck nach Togo, aber natuerlich nicht mit leeren Taschen. In meiner Hand hatte ich die Telefonnummer vom naechsten Kuenstler, der ein Kulturzentrum in Lome betreibt. Alino ist wahrscheinlich einer der besten Gastgeber uberhaupt, die man sich nur so wuenschen kann. Aber meine Erfahrung zeigte mir, dass es wohl alle Afrikaner.

Ich wohnte in seinem Haus, das derzeit ein wenig einsam dasteht. Er ist mit einer Franzoesin verheiratet, die aber fuer die naechste Zeit versicherungsbedingt in Frankreich lebt, weil sie gemeinsam ein Kind bekommen. D.h. ich geniesse hier einen gewissen westlichen Standard, wie Fernseher, Kuehlschrank, bequeme Moebel, etc. Zwar das absolute Minimum fuer einen verwoehnten Europaer, aber man ist ja nicht in Afrika, dass man die Zeit in den 4 Waenden totschlaegt.

Ich erlebte eine Stundentendemo in Lome die, zum Glueck oder zum meinem Pech, direkt neben unserer Gasse stattfand. Es wurden Kaniste angezunden, Strassen blockiert etc. aber das interessante war wohl eher wie die Polizei damit umging. Sie rueckten mit Traenengas, Schlagstoecken, etc. an. Aber es endete zum Glueck nicht in blutige Strassenschlachten. Man ist sich ja nicht so sicher, wenn die Polizei hier in Westafrika eher an ein Militaer erinnert, die in Tarnkleidung und mit Sturmgewehren auf der Strasse herumlaufen.

Wir verbrachten auch ein langes Wochenende in Kpalime, dem Wochenenort fuer gestresste Lomessen (falls es die jemals geben sollte). Kpalime ist nur ein paar Autostunden entfernt von Lome an der Grenze zu Ghana, bietet den hoechsten Berg Togos und eine super Vegetation, sogar mit Fruechten, die man nicht im naechsten Billa finden wird. Und es gibt auch wieder selbstgemachte Marmelade!!!

Der erste Ort bisher, wo ich mir vorstellen koennte, mich fuer laengere Zeit einzunisten (aber nicht unbedingt nur, weil es selbstgemachte Marmelade gibt).

Den Kater des langen Wochenendes mehr oder weniger ueberwunden, wurde ich wieder von der Realitaet eingeholt. Fluege buchen stellt sich hier als nicht ganz einfach da, weil Kreditkarten leider nicht akzeptiert werden. Dennoch mit etwas Geduld funktioniert es auch in Westafrika.

Der Flug von Lome nach Lusaka bat wohl die eine oder andere kleine Ueberraschung. Ich musste den Flug ueber 2 Tage machen und wollte es mir schon gemuetlich am Flughafen von Addis Abba machen. Ich fragte nach einem stillen Oertchen im supermodernen Flughafen, bis ich dann erfuhr, dass der Transitflug eine Uebernachtung in einem Hotel inkludiert.
Nach fast 3 Monaten schlafen bei westafrikanischen Familien, harten Matratzen, und staubigem Bettzeug, ploetzlich ein eigenes Zimmer im Hotel mit grossem Buffet. Wow das war mal ein Kontrast. Aber besser geschlafen hab ich trotzdem auch nicht.


So jetzt bin ich also in Zambia, im Osten Afrikas: Kleine Essbuden werden durch burgeraehnliche Ketten ersetzt, Teerflecken auf den sich ab und an ein Auto druebertraut durch moderne Strassen, Einkaufszentren so wie wir es zu Hause finden, schaebige Hotels durch moderne Backpackerplaetze und Touristen finden sich nun auch unter den Reisenden.

So, ist dass also das Afrika von dem jeder so schwaermt? Lets find out (mit ein wenig Bauchweh)...

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