Sunday, June 12, 2011

Wo kauft ihr eure Mangos?


Ich bin nun seit zirka einer Woche in Burkina Faso, und nicht mal 12 Stunden waren vergangen und schon war meine Stimme im landesweiten Radio zu hoeren. 

So schon genug verraten, mehr dazu aber beim naechsten Mal.

Nach fast vier unvergesslichen Wochen in Djenne schulde ich diesem Ort wahrlich mehr als nur ein Kapitel. Diesmal gibt es zum Vatertag gleich zwei Eintraege. (Ihr braucht nicht extra runterscrollen sondern koennt gleich von hier loslesen).

Generell gesagt war Mali schon eine Erfahrung. Das Land ist leider sehr arm und die Infrastruktur ist Besorgnis erregend. Da war wahrlich Senegal in einem besseren Zustand.

In Djenne im Besonderen fuehlt man sich um einige Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt. Spaetestens wenn man sich dann in den unzaehlbar vielen Doerfer herum bewegt, ist man versichert, dass man sich auf einem ganz anderen Planeten befindet und eine wahrlich andere Zeitgravitation auf einen wirkt.

Jedoch kombiniert mit einer originellen Kultur und einer streng gelebten Religion im Alltag macht es zumindest fuer Reisende, ein Land der Superlative. Nicht nur fuer den Koerper gibt es einiges zu ertragen (siehe vorigen Post) sondern auch der Geist hat ihr einiges zu erfahren.
Allons-y!
Die vielen Minderheiten in Mali kennzeichnen sich unterschiedlich am Koerper, meistens vor allem am Gesicht. Das kann von zwei Narben an den Schlaefen oder Narben an den Wangen, bis zu bestimmten Taettowierungen zB an den Fuessen reichen. Diese „Verletzungen“ werden mit sehr sehr jungen Alter den Kinder zugefuegt.

Es gibt Minderheiten, der zB mein Freund Boubou angehoert, bei denen die Frauen ihren Mund taettowieren lassen. Wird die untere Mundhaelfte schwarz tatoowiert heisst es, dass man verlobt ist und bei beiden, richtig geraten, ist man dann verheiratet. Mit dem Wissen, ist man dann schon oft ueberrascht wie jung die Maedchen eigentlich schon verlobt werden. 
Aber keine Frau laeuft hier verschleiert herum etc. wie man es zB in Marokko sieht.

Generell darf ein Mann, sofern er Muslime ist, in Mali offiziel bis zu vier Fraun heiraten. Und dass kommt auch in der Praxis vor. Zb Boubous Grossvater hat zwei Fraun. Jede Nacht schlaeft er abwechselnd bei seinen zwei Frauen. Aber es muss nicht so sein, es kommt auch vor dass alle in einem Haus gemeinsam leben. Wie dann genau die Schlafzimmeraufteilung geregelt ist, weiss ich aber nun wirklich nicht.

Kinder, Kinder und nochmals Kinder. Es gibt hier soviele davon, dass man seine Babyplanung wahrscheinlich nochmals um ein paar Jahre nach hinten verschiebt.
In Djenne wars nach der Zeit auch nicht mehr ueberschaubar. Und ich glaube es sofort wenn mein Guidebuch schreibt, dass es Orte bzw. Laender gibt wo diese Herrschaften von Kinder dich ausrauben, niedertrampeln, bzw. Zu gefaherlichen Banden werde koennen. Zwar nicht in Mali aber man ist immer wieder froh wenn du ihnen entwischt bist.

Deswegen traegt auch jede zweite Frau einen kleinen Rucksack. Babys werden naemlich mit nem Tuch um den Ruecken gebunden.

Man weiss auch nicht so genau wem das Kind dann auch zuzuordnen ist. Eben durch die Polygamie wird die Sache noch undurchschaubarer. Und die Kids hier haben auch nicht so eine starke Bindung zu den Eltern. Es kann auch sehr vorkommen, dass sie einen grossen Teil einfach bei den Verwandten verbringen.

Anfangs war ich sehr schockiert, was in Djenne ablauft. Es gibt hier eine Menge Kids die mit kleinen Kuebeln herumlaufen und alles (auch Abfall) essbare einfassen. Ich habe zuerst gedacht, dass es hier wirklich Menschen gibt, die verhungern muessen. Ich hab strikte FDH Diaet gemacht. Bis mich dann Boubou aufmerksam gemacht hat dass sie es zu einem religioesen Zweck machen:

In ganz Mali gibt es Religionslehrer die Schueler ausbilden duerfen, welche anschliessend das Amt eines Marabous einnehmen duerfen. Ein Marabou ist wie ein Priester hier bei uns. Er betet fuer die Leute, hilft ihnen bei gesundheitlichen Problemen und lebt mehr oder weniger in der Moschee. (Das sind dann aber auch diese Leute die als einzige das Geld haben um Autos zu besitzen...)

Ok diese Kids haben einen besonderen Status nicht nur in der Gesellschaft. Sie gehen nicht in eine normale Schule sondern verbringen ausschliesslich ihre Zeit mit dem Lernen des Korans und seiner Philosophie.
Die Ausbildung beginnt dabei mit 5 od 6 Jahren und dauert mitunter bis zu 10 oder auch mehr Jahren. Nach diesen Jahren kann er den Koran komplett auswendig herunterratschen (ich entschuldige mich fuer den Ausdruck ratschen, weil die arabischhe Sprache ist eigentlich so schoen, dass man eher singen meinen sollte). Er muss ihn aber auch verstehen, und die Aufgabe ist es ihn in seine jeweilige Sprache zu uebersetzen. Denn in Mali hat jedes noch so kleine Dorf seine eigene Sprache bzw. Dialekt.

Die Methode der Ausbildung sind aber mehr als bedenklich. Das Kind ist im Prinzip die ganze Jugend lan ein Bettler. Jeder essbare Abfall wird jeden Abend eben in den Kuebeln gesammelt und anschliessend zusammengeworfen und davon gegessen. Kein Essen darf gekauft werden, alles muss anhand von Spenden oder Gaben kommen. In Djenne wo sich hier und da mal Touris herumtreiben bzw. generell viele Leute sind, nicht so das Problem. Aber die Schueler werden auch fuer gewisse Zeiten an entlegene Doerfer geschickt und da liegt das Schicksal der Kinder dann in den Haenden weniger Bauern.

Jeder „Schueler“ darf, wenn ueberhaupt seine Eltern max 1 bis 2 mal im Jahr sehen.

Ich wohnte fuer ueber eine Woche mit so einem 16 jaehrigen Schueler zusammen. Dabei musste ich feststellen dass er die gute Haelfte des Tages auf seinem Teppich verpennt hat (boese Zungen wuerden behaupten, darum wird er ja verwendet). Klar wenn du tag ein tag aus nur den Koran, oder was auch immer, auswenig zitierst, ist eine Tendenz zur Schlaefrigkeit eben gegeben.

Aber man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Die muessen nicht in eine normale Schule gehen sondern lernen nur den Koran. Kein Mathematik, kein Ethik, etc. Das ganze verdammte Leben nur dieser einen verdammten Sache gewidmet.

Deswegen sollte jeder die Praxen der Religion, nicht nur in Afrika, sondern ueberall auch bei uns zu Hause, nicht einfach als gegeben annehmen sondern kritisch gegenueberstehen. Nicht nur weil es so ist, heisst es auch dass es so gut ist.

Ueberall in Mali wird frisch gepresster Ingwersaft verkauft, vor allem rund um Bamako. Je nach Verkaeufer ist er unterschiedlich scharf und kann einem schon mal fast umbringen vor lauter Schmerzen. Aber je staerker desto besser fuer den Magen und auch Geschlechtsverkehr hat mir ein Malianer mal erzaehlt.

Der Tee in einer gemuetlichen Runde ist so Pflicht wie das Gebet fuenf mal am Tag. Die Kunst dabei ist ihn so bitter wie nur moeglich machen. Damit man ihn dann auch trinken kann, darf  muss die Zuckermenge der Wassermenge entsprechen. Der Tee wird in Minikannen gekocht und es werden immer drei Runden serviert. Der Tee selbst kommt ausschliesslich aus China. Das hatten wir doch schon mal wo, oder? Ja genau Indien.

Gebettet wird zum Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, 2 Uhr, 4 Uhr und 8 Uhr. Jeder hat dabei seinen kleinen Teppich und davor werden Fuesse Gesicht und Haende gewaschen.

Jetzt bin ich schon so lange in Afrika und noch immer muss ich schmunzeln, wenn mir eine Frau entgegenkommt, die ihre "Hand"tasche am Kopf traegt. :)

Mangos mhmm so lecker hier. Ueberall gibt es sie und machen den perfekten Mittagssnack. Man kann sie auch leicht selber pfluecken, aber das macht man ja nicht, es gibt hier eine Menge Leute die vom Mangoverkauf leben. Aber leider musste ich auch feststellen, dass ich keine Mango mehr sehen kann, hab davon wohl zuviel verdrueckt...

Zu guter letzt auch ein negatives Erlebnis. Es wurde mir Geld eines Nachts in der Herberge in Djenne gestohlen, zwar nicht viel, aber dennoch.
So komisch es auch klingen mag, ehrlich gesagt bin ich jedoch froh, dass das passiert ist, weil es mich in einer Sache bestaetigt hat, die ich euch im folgenden Eintrag anhand einer Metapher vorstellen moechte...

1 comment:

  1. Schick ums mal so eine leckere Mango, wir haben Gusto drauf!!!

    Viel Spaß weiterhin!
    GLG, Ute

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